HVH-Schiedsrichter Fabian Zürcher

Von Kaffee und ehemaligen NLA-Spielern

Seit einem Jahr reise ich nun als Schiedsrichter für den HV Herzogenbuchsee durch die Region und die Reaktionen auf meine Tätigkeit waren überall stets dieselben: „Oh, wie kannst du das nur?“ und „das könnte ich nie!“ waren Worte, welche mir des Öfteren zu Ohren kamen. Zugegeben, den Kommentaren zur Folge, welche zum Teil von der Tribüne her auf den Mann mit der kleinen, jedoch für viel Aufregung sorgenden, roten Karte in der Hand niederprasseln, kann ich mir gut vorstellen, dass die meisten Handballer lieber den Pfad als Spieler weiter verfolgen wollen.

Doch wenn ich ehrlich bin, habe ich genau deshalb die Schiedsrichterkarriere begonnen. Diese nicht immer freundschaftlich kommunizierten Meinungen der Fans, die vor Wut kochenden Trainerköpfe und nicht zu vergessen, so manche Aktionen von nicht gerade selbstkritischen Spielerinnen und Spielern waren für mich Motivation genug, mich selbst als Unparteiischer zu versuchen. Dies, um all den emotionalen Handballfreunden sowie grundsätzlich allen Sportbegeisterten aufzuzeigen, dass sich Fairness und Emotionen vereinen lassen.

Und Sie werden es vielleicht kaum glauben, aber es ist tatsächlich möglich. Es kann durchaus vorkommen, dass 28 Sportlerinnen und Sportler, zwei Trainer, eine bunte Menge Zuschauer sowie ein Schiedsrichter an einem Samstag in einer Halle zusammenkommen, um sich auf schnellem und hohem Niveau zu messen und anschliessend die Spielstätte mit oder ohne Punkte, jedoch stets sportlich, fair und erfreut zu verlassen. Ja, stellen Sie sich vor, liebe Leserinnen und Leser, es gab sogar schon Eltern, die mich auf der Tribüne zum Kaffee eingeladen haben - selbstverständlich erst nach dem Spiel.

Schliesslich verfolge ich als Spielleiter primär ein grosses Ziel. Egal ob U15 oder 3. Liga, das Wichtigste ist und bleibt, als Schiedsrichter einen Rahmen zu schaffen, in dem es den Spielerinnen und Spielern ermöglicht wird, ihren geliebten Sport fair auszutragen. Ganz entgegen vieler Meinungen von Zuschauern geht es dabei nicht darum, eventuelle sadistische Veranlagungen auszuleben und Spieler zu bestrafen. Nein, das Wichtigste an unserer Arbeit ist ganz einfach, die Spieler zu schützen. Wenn ich dafür vereinzelt den ‚Bösewicht’ spielen muss, nehme ich das gerne in Kauf.

Zudem ist es für mich eine grosse Bereicherung, in der Handballschweiz herum zu reisen. Als Schiedsrichter erhalte ich so immer wieder die Chance, neue Leute kennen zu lernen und interessante Einblicke in Vereine und Organisationen zu erhalten. Und siehe da, auf einmal leitet man in der ersten Saison ein 4. Liga - Spiel von Wacker Thun, mit dem einen oder anderen ehemaligen NLA - Spieler.

Auf jeden Fall werde ich meine Ziele als Unparteiischer weiterverfolgen. Nächste Saison in der 3. Liga der Männer und 2. Liga der Frauen. Dafür steht zunächst einmal die Saisonvorbereitung auf dem Programm.

Und wer weiss, der eine oder andere Trainer oder Zuschauer wird sich beim nächsten Spiel vielleicht an das Ziel eines Schiedsrichters erinnern, mit Verlaub jedoch lieber bevor sich die Köpfe zu röten beginnen.

Bericht: Fabian Zürcher, Schiedsricher